Freitag, 20. Februar 2009

Negev

Die letzen 5 Tage sind wir mit unserem Archäologiekurs durch die Wüste im Süden Israels gezogen, um diverse archäologische Daten zu erfassen. Der erste Tag war noch Sightseeing in verschiedenen archäologischen Nationalparks.
Als erstes sollten wir in eine Höhle klettern, die von außen gar nicht schlecht aussah.
Das Loch in das wir allerdings hineinklettern sollten war aber dann tatsächlich kleiner als ich befürchtet hatte.
Absolute Einbahnstraße! Ob Panikattacke oder nicht es gibt kein Umdrehen, sondern nur weiter kriechen. (Diese ganze Aktion war allerdings freiwillig – Die Kollegen ohne geeignete Körperfigur haben sich dezent zurückgehalten. Steckenbleiben wäre ein Albtraum gewesen.)
Nach minutenlangem Kriechen auf aller engstem Raum standen wir plötzlich in einer Hölle für Taubenzucht aus dem 2. bis 3. Jahrhundert vor Christus.
Dieses Schild stand direkt vor einem archäologischen Park und ich war mir nicht sicher wie ich das verstehen soll.
Hier ein Grab aus etwa hellenistischer Zeit. (zumindest soweit ich mich erinnere)































Der Rest waren alle möglichen Höllen und Ruinen. Ich erspare euch archäologische Details.


Am zweiten Tag sind wir dann schließlich durch die Wüste gezogen. Vom Toten Meer bis zur Ägyptischen Grenze, um ca. 5000 Jahre alte Steinkonstruktionen aufzuspüren und zu vermessen von den man bis jetzt noch nicht wusste wofür sie gebaut worden sind. Einige Wissenschaftler sind überzeugt davon, dass es sich um alte Wegmarkierungen der Ägypter handelt, die nach Palästina gereist sind, um Kupfer zu kaufen, um die Werkzeuge herzustellen, die sie für den Pyramidenbau gebraucht haben. Vieler dieser Steinkonstruktionen wurden zum ersten Mal wissenschaftlich erfasst.

Dad, dein Pickup hätte jeden Meter genossen!
Durch die Archäologin, die uns begleitet hat haben wir Zugang zu militärischem Übungsgelände bekommen. Das wissenschaftliche Arbeiten mit dem schweren Donnern von diversen Geschossen im Hintergrund hatte mit der Zeit seinen ganz eigenen Reiz entwickelt.
Das schnelle Rattern von Maschinengewehrfeuer erkennt man sofort, aber wir konnten uns nie einigen ob es sich bei einem größeren Krachen um ein Überschallknall oder eine größere Explosion handelte.
Am heftigsten war es, als die uns direkt in militärisches Sperrgebiet geschickt haben.
Mein amerikanischer Freund war etwas beunruhigt durch das Schild mit dem großen Totenkopf drauf und dem Zusatz: Military Fireing Zone.
David unser Bushpilot aus Afrika war allerdings der Überzeugung, dass dies kein all zu großes Problem darstellt. Unsere Archäologin schickte uns getrost ins Sperrgebiet mit dem guten Hinweis wir sollen keine metallenen Gegenstände anfassen, da es sich im schlimmsten Fall um Explosionskörper handeln könnte. Wir waren uns alle einig, dass wir diesem Rat folge leisten würden. Wir konnte es allerdings nicht lassen ein paar dieser Patronen mitzunehmen. Die findet man relativ häufig in der Wüste.
Wir waren nicht sonderlich überrascht, als uns die Archäologin erzählte, dass die meisten Touristen und selbst viele Israelis diese Gegend nicht zu Gesicht bekommen. Kann ich mir gut vorstellen. Welcher Tourist marschiert schon in militärisches Übungsgelände?
(Mom, es war letztendlich alles halb so wild, denn da wo gerade geschossen wird sind wir natürlich nicht hingeschickt worden und ich habe auch nur eine Patrone als Souvenir mitgenommen :)
Im Hintergrund habe ich die Reste der Steinkonstruktion markiert.
Am letzen Tag gab es ein letztes Vermessungsprojekt für das ich mich unüberlegterweise freiwillig gemeldet hatte. Wir waren mit dem Jeep unterwegs als plötzlich am Horizont eine rot-braune Wand auf uns zurollte. Die Archälogin erklärte uns, dass es sich hierbei um einen Sandsturm handelt. Wir waren uns jedoch alle einig, dass wir das Projekt eben abschließen wollten, indem David und ich eben auf die nächsten Hügel steigen, um die nötigen GPS Koordinaten zu besorgen, während sie im Jeep auf uns warten wollte. Der Sturm war schneller dar als ich dachte. Die gesamte Gegend verwandelte sich innerhalb von kürzester Zeit in eine menschenfeindliche Marslandschaft, wie man sie hin und wieder in schlechten Science Fiction movies sieht. Der Wind war so stark, dass er es sogar schaffte den feinen Sand selbst zwischen unsere Lippen durchzuschleusen, was für ein sehr unangenehmes Knistern zwischen den Zähnen sorgte. Die GPS Koordinaten musste ich mir alle auf Arm und Hand schreiben, weil Papier bei dem Wetter einfach nicht mehr zu bändigen war. In der grotesken Marslandschaft waren alle Anhaltspunkte zur Orientierung verschwunden. In einem Sandsturm in der Wüste in die falsche Richtung zu laufen war eine zutiefst unangenehme Vorstellung für ein Starbucks trinkendes Großstadtkind wie mich. Glücklicherweise war ich mit David unserem Bushpiloten unterwegs, dessen ausgeprägter Orientierungssinn auch während dem Sandsturm noch hervorragende Präzisionsarbeit leistete. Meine arme Seele, die selbst bei bestem Tageslicht in die irre zu laufen tendiert, war aufs äußerste entschlossen, der Spürnase des erfahrenen Cessnapiloten zu folgen.
Die Friseur in dem Foto ist übrigens allein durch den Wind geformt und lässt ansatzweise erahnen wie heftig das Wetter war.
So in ein paar Stunden beginnt hier der Schabat und ich muss noch vorher einkaufen. Bis dann.
PS: Erich, bitte richte meinen Neffen und Nichten doch bitte aus, dass ich sie bereits vermisse!

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