War vor kurzem beim traditionellen Sabbat-Essen im Haus von Rabbi Mordechai. Der orthodoxe Rabbi öffnet seine Wohnung jeden Freitagabend für jeden der kommen möchte, um mit ihm und seiner Familie den Sabbat zu feiern. Der lässt tatsächlich ca. 70 Leute in seine kleine Wohnung und bietet jedem ein mehrgängiges Menu an. Der Abend war ein echtes Specktakel. Alles läuft exakt nach orthodoxer Vorschrift ab. Es wird der Segen über den Wein gesprochen und danach wird das Brot gebrochen, während diverse Gebete gesprochen werden. Ich habe die ganze Zeit fieberhaft meine Nachbarn beobachtet und jede Handbewegung kopiert, um nicht etwas falsch zu machen. Beim rituellen Händewaschen muss man mit der rechten Hand anfangen und sich dreimal das Wasser über die rechte und dann dreimal über die linke Hand laufen lassen. Ist alles ziemlich kompliziert. Während dem Essen hat der Rabbi eine Art Predigt gehalten, wobei der Text aus dem AT allegorisch ausgelegt wird mit diversen verweisen auf Mischnah, Talmud, Midrasch usw. Es ist faszinierend die Geschichten aus dem AT in der 1 Person Plural zu hören. „Als wir noch in Ägypten waren…“ Als Moses uns das Gesetz gegeben hat..“ „Als unsere Vorfahren…“ Die Geschichten werden erzählt als seien sie gestern erst passiert. Zwischen den Lehreinheiten hat immer irgendeiner ein jüdisches Lied angestimmt. Nach ca. 5 min. ist ihnen meistens der Text ausgegangen und man macht einfach weiter mit: „la la la la la…“ Es ist unglaublich wie lange die das aufrechterhalten können wobei scheinbar jeder seine eigene Melodie singt. Ich habe den ganzen Abend versucht, die Melodie herauszuhören um mitzusingen, aber keine Chance. Jüdischer Gesang entzieht sich meiner Logik.
Am meisten haben mich die Sabbat Gesetze überrascht. Am Sabbat redet man nicht über Krieg, Tod, Krankheit, Politik oder sonst irgendetwas, dass die Harmonie gefährden könnte. Am Sabbat darf man keine Fotos machen. Man darf nichts schreiben! Man darf sein Handy nicht benutzen! Man muss sein Handy vor dem Sabbat ausmachen, denn wenn es während dem Sabbat klingelt darf man weder rangehen noch es ausschalten.
In der Wohnung waren sämtliche Lichtschalter mit Tesafilm abgeklebt, denn am Sabbat darf man weder ein Licht anschalten noch ausschalten! Dasselbe gilt für sämtliche elektronische Geräte. (Deshalb verwenden die meisten orthodoxen Juden Zeitschaltuhren, damit der Herd sich von selber ausschaltet). Wenn am Freitagabend das Schofar ertönt hat man genau 20min bis der Sabbat beginnt. Geht etwas mit der Zeitschaltuhr schief, bleibt einem nur noch die Möglichkeit irgendwo einen Heiden zu finden, der einem dann den Herd ausmachen kann. Man darf ihn jedoch nicht darum bitten, diese Arbeit zu verrichten sondern man muss das Gespräch so führen, dass er von selbst darauf kommt, dass er den Herd ausschalten soll. Ein Freund von mir musste neulich mal zu einem orthodoxen Juden nach Hause, um ihm den Herd auszuschalten. Noch vor 2 Monaten hätte ich das alles nicht für möglich gehalten!
Sonntag, 5. April 2009
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das ist total abgefahren und freakig!! das mit dem handy geht mir am meisten nach :-)
AntwortenLöschenHab mir kürzlich vorgenommen am So den Laptop ausgeschaltet zu lassen, das ist schon schwer... :)
AntwortenLöschenDas man über bestimmte Themen nicht redet find ich crazy, aber irgendwie auch cool...
Wahnsinns Gastfreundschaft einfach so sein Haus zu öffnen für wildfremde Menschen!
Wow, cool dass du das alles erleben kannst...
AntwortenLöschenMan Daniel, du erlebst echt viel...danke für die letzten beiden Posts "Rabbi Mordechai" und "Klagemauer"...super interessant. You are very privileged...enjoy it to the fullest.
AntwortenLöschenDanke! Ich genieß es echt in vollen zügen hier zu leben! Israel ist echt abgefahren!
AntwortenLöschenLieber Daniel,
AntwortenLöschenich hoffe du liest das, kannst du mir die Adresse bzw. einen Kontakt zu Rabbi Mordechai geben? Wie kommt man zu dieser Feier? Anmeldung? Wie?
Du merkst viele Fragen, ich hoffe du antwortest mir.
Schalom
Samuel