Sonntag, 5. April 2009

Rushhour an der Klagemauer

Ich war neulich am Freitagabend an der Klagemauer. Da beginnt der Sabbat und es ist Hochsession an der Klagemauer. Ich hätte fast den falschen Eingang genommen und wäre in dem Bereich geladen, der nur für die Frauen reserviert ist. Mein Studienkollege hat mich glücklicherweise noch rechzeitig zurückgepfiffen. :)

Ich stehe also an der Klagemauer und beobachte, wie die großen Felsblöcke wieder und wieder inbrünstig geküsst werden, als plötzlich ein Afrikaner Halleluja zu rufen beginnt. Als er schließlich die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, fing er tatsächlich an Jesus als den Messias auszurufen. Sekunden später fand ich mich in einem Pulk wild gestikulierender Juden wieder, die mit überschäumenden Emotionen den selbst ernannten Prediger vom Gelände schupsten. Für ein paar Minuten wurde plötzlich was von der enormen Sprengkraft sichtbar, die unter der Oberfläche schlummert. Dabei waren sind die Juden noch milde. Wäre das auf dem Tempelberg passiert, hätten die Moslems ihn nicht lebend davonkommen lassen. Die religiöse Intensität hier ist astronomisch. Wer sich nicht korrekt verhält, gerät unter die Räder.

Ich habe mich nachher – als sich die Situation wieder etwas entspannt hatte - noch mit drei von den orthodoxen Juden unterhalten. Als ich ihnen erzählt hatte, dass ich Theologie studiere, haben die mich ganz fragend angeguckt. Was will ich denn dann in Israel? Dann sollte ich doch nach Rom gehen oder? Die hatten tatsächlich keine Ahnung, dass wir Christen auch das Alte Testament lesen. Das wir Christen dieselben Wurzeln haben und ebenso an den Gott von Abraham, Isaak und Jakob glauben war für sie etwas völlig neues.

1 Kommentare:

  1. super interessant!! das erlebt man nur wen man vor ort ist. krass!!

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